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Der Mac App Store - Eine nicht ganz düstere Zukunftsvision

Als Apple den Mac App Store ankündigte, wurden schnell Bedenken laut, Apple werde künftig verbieten, Programme eigenhändig zu installieren und fortan nur noch von höchster Stelle abgesegnete Apps aus dem App Store erlauben.
Ist ja logisch, beim iPhone ist es auch nicht anders, und Apple liebt es, seine Kunden zu bevormunden, richtig?

Falsch.
Selbstverständlich ist Apples eigener Vertriebsweg auch Apples liebster - wie könnte es anders sein.
Doch es gibt keinerlei Einschränkungen für Leute, die Software “von außen” installieren wollen.

Nichtsdestotrotz gibt es einen Schritt, den Apple gehen könnte, und nach meiner Einschätzung auch gehen wird. Ob mit Lion oder mit OS 11, früher oder später wird Apple den Mac App Store als Standardmöglichkeit einrichten, um Software auf dem Rechner zu installieren.

Soll heißen: Ein neuer Mac wird nur eine einzige Möglichkeit erlauben, Software zu installieren, nämlich über den Mac App Store.

Wer mehr will, wird in den Systemeinstellungen einen simplen Knopf finden, “Eigene Software installieren An/Aus”. Wer ihn klickt, muss bestätigen, dass er sich des Risikos bewusst ist. Dann wird das System geöffnet für jede erdenkliche Software, die man in den Weiten des Internets so findet, und alles ist so wie bisher.

Somit wird sichergestellt, dass unerfahrene Benutzer nach Herzenslaune Programme, Entschuldigung, Apps installieren und deinstallieren können, ohne einen Gedanken an Viren oder Malware zu verschwenden und ohne  dass ein vergurkter Uninstaller irgendwelchen Datenmüll hinterlassen kann.
Und niemand, der einen Funken Ahnung von Computern hat, wird eingeschränkt.

Selbstverständlich wird es in den Technikblogs ein Donnerwetter geben, doch es wird der übliche Sturm im Wasserglas bleiben. Technikjournalisten verdienen ihr Geld damit, das Ende des Abendlandes herbeizureden, doch für normale Benutzer ändert sich nichts, und für Neulinge sinkt das Risiko, etwas falsch zu machen, enorm.

Ich vermute, das Ganze wird frühestens mit OS 11 umgesetzt werden. Wenn es bei der WWDC nächste Woche eingeführt wird, dann vermutlich als “One More Thing”.

“Ach übrigens, in den Systemeinstellungen gibt es einen neuen Button: ‘App Store Only’ An oder Aus. Standard ist An.”

Die Menge tobt.

Visually display characters’ points of view with Tinderbox

(Translated article.
Für eine deutsche Version dieses Eintrags bitte hier klicken)

Tinderbox is a software for the Mac (a windows version is in the works, albeit suspiciously long) for creating and visually managing notes.
Actually, notes can be managed in a lot of ways, and that’s where the problems begin. Mainly the problem how to describe what makes Tinderbox what it is.

I’ll spare myself the attempt to crack this nut and instead cut to the chase and show one of the countless possibilities that the program offers.

The problem:
You’re writing a novel, which contains several important characters. Each of these characters possesses several important traits, but not everybody knows everything about everyone — let’s be honest, most people don’t even know everything about themselves.
But as an author, you have to keep track about who knows what about whom, so you need a way to visualize the points of view of the characters.

The solution, as is often the case with this type of problem: Tinderbox.

First we create a map, where the relevant characters get their own „Adornments“, i.e. workspaces.

There we have our protagonist Frank, his girlfriend Orange and her father Maurice.
Frank is a young, dynamic man who is as successful privately as he is professionally because he possesses genuine creativity and doesn’t mind getting a brown nose in order to further his career.
His girlfriend Orange generally is very sweet-natured, but underneath the surface there’s a lot of pent-up anger, most of all towards her father, who named her after a fruit.
The father, Maurice, is a more or less former hippie who’s glad that his daughter is happy in her relationship. He rather tolerates Frank than actually liking him, since other than Orange he sees the opportunist in Frank.

So, we enter the character traits as single notes.

To display the points of view, we need only one additional note per character, which we can simply put next to that character’s adornment.

Now we just draw connections from the POV note to all the character traits, which that person sees, i.e. acknowledges.
Frank for example sees himself as creative, but closes his eyes to the fact that he’s opportunistic. So far he has only seen Orange’s nice side, while his relationship with Maurice isn’t the friendliest.

Orange’s and Maurice’ points of view get marked the same way. Maurice mostly sees Franks opportunism, while Orange chooses only to see his good side.

It’s easy to see that a map like this gets convoluted very quickly, as the characters become more numerous and more fleshed out.

With older versions of Tinderbox you could overcome this by giving each character its own color and have the connections in that color, which looked something like this:

This is pretty workable. When the characters and their traits become more numerous, you pull the adornments further apart and the relationships become clearer.
But it’s not exactly optimal, in case you want to use the color coding for something else (like grey for character, red for places or whatever).

That’s where a new function comes into play which was introduced in the latest version of Tinderbox: the automated dimming of inactive notes.
This means, if you click on a note which has connections to other notes, all the notes that aren’t affected by those connections, are dimmed.
So if we select Maurice, the map looks like this:

And because the connections aren’t apparent primarily through the connection lines anymore, but the opacity of the notes themselves, it stays clear even without the color coding:

By the way, what can’t be shown in a photo: Those little gaps in the connection lines march from their origin to their destination, which means you also see in which direction the connection goes.
In this particular example that isn’t exactly necessary, but it should be very helpful in some other cases.

The concept can be adapted for any number of purposes, of course.
Maybe medical:
Adornments for ailments, with notes for symptoms.
Add to that adornments for cures (medication, health resorts, etc.) with notes for side effects.
And, because it’s fun: Adornments for HMOs with connections to the cures they pay for.

At first (and second) glance, Tinderbox is very daunting, since beneath the treacherously simple design it hides literally endless possibilities and it really takes time to find your way through it.
What I showed here is merely a scratch on the surface of this thing. But I think the approach to explaining what Tinderbox can do is similar to the approach to actually using it: Take one problem at a time and see how you can solve it using Tinderbox.
So maybe I’ll follow up with other entries like this, as I learn how to get more out of it.

Thanks for reading.

Charakter-Perspektiven visuell darstellen mit Tinderbox

(For an english version of this article, click here.)

Tinderbox ist ein Programm für den Mac (eine Windows-Version ist in Arbeit, allerdings schon verdächtig lange), mit dem man Notizen erstellen und visuell verwalten bzw. darstellen kann. Genau genommen kann man Notizen auf vielerlei Arten darstellen und verwalten, und da beginnen schon die Probleme. Vor allem die Probleme, zu beschreiben, was Tinderbox eigentlich ausmacht.

Den Versuch, diese Nuss zu knacken, werde ich mir erst einmal ersparen, stattdessen möchte ich in medias res gehen und einfach einen der vielen möglichen Anwendungszwecke aufzeigen.

Das Problem:
Man schreibt einen Roman, mit mehreren wichtigen Figuren. Jede dieser Figuren hat mehrere wichtige Eigenschaften, doch nicht jeder weiß alles über jeden.
Da man als Autor jedoch den Überblick darüber behalten muss, wer genau was über wen weiß, muss eine Möglichkeit her, die Blickwinkel der einzelnen Figuren zu visualisieren.

Die Lösung, wie oft bei derartigen Problemen: Tinderbox.

Als erstes erstellt man eine Karte, auf der die relevanten Charaktere jeweils eigene “Adornments”, also Arbeitsbereiche bekommen.

Da hätten wir also unseren Protagonisten Hans, seine Freundin Orange und deren Vater Rüdiger.
Hans ist ein junger, dynamischer Mann, der im Beruf wie im Privatleben recht erfolgreich ist, da er echte Kreativität besitzt und sich auch nicht ziert, in den einen oder anderen Hintern zu kriechen, wenn es seiner Karriere förderlich ist.
Seine Freundin Orange ist im Allgemeinen ein herzensgutes Wesen. Unter der Oberfläche brodelt jedoch eine Menge angestaute Wut, vor allem auf ihren Vater, da der ihr den Namen Orange gab.
Der Vater, Rüdiger, ist ein mehr oder weniger ehemaliger Hippie, der sich freut, dass seine Tochter in ihrer Beziehung glücklich ist. Hans toleriert er eher, als dass er ihn wirklich mag, denn im Gegensatz zu Orange erkennt er den Opportunisten in Hans sehr wohl.

Also, fix die einzelnen Eigenschaften in Form einzelner Notizen in die Karte eingepflegt.

Um die Blickwinkel der einzelnen Figuren darzustellen, braucht es lediglich eine weitere Notiz pro Figur, die einfach an den Rand des Adornments gepackt wird.

Jetzt werden ganz simpel Verbindungen von der übergeordneten Notiz zu all den Charaktereigenschaften gezogen, die derjenige erkennt. Hans z.B. sieht sich selbst zu Recht als kreativ an, gesteht sich jedoch nicht ein, dass er opportunistisch ist. Von Orange hat er bislang nur die netten Seiten kennengelernt, das Verhältnis zu Rüdiger ist eher gespannt.

Die Blickwinkel von Orange und Rüdiger werden genau so markiert. Rüdiger sieht vor allem Hans’ Opportunismus, während Orange davor die Augen verschließt und nur die guten Seiten sieht.

Es ist leicht zu erkennen, dass eine derartige Karte schnell unübersichtlich wird, wenn die Figuren zahlreich werden und mehr Eigenschaften bekommen.

Mit den bisherigen Versionen von Tinderbox konnte man dem Problem beikommen, indem jede Figur ihre eigene Farbe bekam und die Verbindungen in der jeweiligen Farbe gehalten wurden. Das sah dann z.B. so aus:

Damit kann man schon arbeiten. Wenn Figuren und Eigenschaften mehr werden, zieht man das Ganze auseinander und die Verhältnisse werden klarer.
Ganz optimal ist es aber noch nicht, z.B. wenn man mit den Farben etwas anderes markieren will (z.B. grün für Figuren, Orange für Orte, Grau für Interessensgruppen o.ä.).

Hier kommt eine Funktion ins Spiel, die in der neuesten Tinderbox-Version eingeführt wurde, und zwar das automatische Dimmen nicht-angewählter Notizen.
Soll heißen, wenn man eine Notiz anwählt, von der aus Verbindungen zu anderen Notizen gehen, werden all die Notizen ausgeblendet, die von diesen Verbindungen nicht betroffen sind.
Wenn man also Rüdiger anwählt, sieht die Karte folgendermaßen aus:

Und da die Verbindungen nicht mehr primär durch die Verbindungslinien deutlich werden, sondern durch die Deckkraft der Notizen selbst, bleibt es auch ohne die farbliche Untermalung übersichtlich:

Was sich auf einem Photo nicht festhalten lässt: Die kleinen Lücken in den Verbindungslinien wandern vom Start zum Ziel, d.h. man sieht auch gleich, in welche Richtung die Verbindung geht.
Das ist in diesem konkreten Fall irrelevant, bei einigen anderen Verwendungszwecken (spontan wäre z.B. ein Stammbaum denkbar) ist es jedoch sehr hilfreich.

Das Konzept kann natürlich für verschiedenste Zwecke adaptiert werden.
Beispiel Medizin:
Adornments für Krankheitsbilder, mit Notizen für Symptome.
Dazu Adornments für Behandlungsmethoden (Medikamente, Kuren usw.) mit Notizen für Nebenwirkungen.
Und weil’s gerade Spaß macht: Adornments für Krankenkassen, mit Verbindungen zu Behandlungen, die sie bezahlen.

Tinderbox ist zu Beginn sehr einschüchternd, da es die endlosen Möglichkeiten in einem trügerisch schlichten Gewand versteckt.
Doch die Eingewöhnung lohnt sich, das oben Gezeigte ist nur der Hauch eines Kratzens an der Oberfläche.
Eventuell werde ich weitere Einträge nachreichen, während ich mich weiter in das Programm einarbeite. Für jetzt erstmal: Danke für’s Lesen