Mein Tag.

(Aus meinem alten Blog.)

Mein Kühlschrank war ähnlich leer wie mein Kopf, also beschloss ich, einkaufen zu gehen.
Ich richtete meine Haare, packte Portemonaie und Schlüssel ein und ging zum Auto. Da ich meine Besorgungen diesmal eh nicht zu Fuß machen konnte (diesmal musste auch Nachschub für die Playstation sein, den gibt’s für einen faulen Menschen wie mich nicht in Marschweite), dachte ich mir, seh ich mir doch mal die Köln-Arcaden an. Schönes großes Einkaufszentrum, knapp 10 Autominuten entfernt, das sollte ich doch wenigstens kennen. Also nix wie hin, waren ja noch fast anderthalb Stunden bis zum Ladenschluss.

Frauen mögen kollektiv unfähig sein, konkrete Wegbeschreibungen auf die Beine zu stellen, aber Männer, ich schließe da einfach mal von mir auf andere, zeigen sich immer wieder unfähig, sich nach simplen Wegbeschreibungen zu richten. 4,2km auf der Straße bleiben? Wo die doch so viele Kurven macht und erwähnenswerte Änderungen (Schnellstraße, Brücke) durchmacht, da kann was nicht stimmen, das hätte der Routenplaner erwähnt. Da fahr ich doch hier mal ab, das erscheint mir einfach viel wahrscheinlicher.

Nach einer knappen dreiviertel Stunde Fahrt kam ich also bei den Köln-Arcaden an. Eine lange Fahrt, dafür kenne ich jetzt auch den Weg zur Köln Arena, und das ist ja eh viel wichtiger als meine eigentlichen Besorgungen zu erledigen.
Dort folgte eine etwas desorientierte Suche nach einem Parkplatz – es gab Tausende freie Parkplätze, auch direkt vor dem Eingang, aber ab einer gewissen Parkhausgröße komme ich mir einfach vor wie in einer fremden Stadt und möchte nur noch nach Hause zu meiner Mama.
Irgendwann hatte ich es aber geschafft, ich war drin. Eigentlich eine typische “Mall”, die Art Einkaufszentrum, von der man von USA-Urlaubern immer wieder hört, dass es sie in Deutschland ja leider nicht gibt, wirklich schade, und von der in Köln mindestens zwei existieren, wenn auch keine in meinem Stadtteil. Ich schlenderte durch die langen, hellen Hallen, gut gelaunt, strahlend, und freute mich über die typisch rheinländische Freundlichkeit der Menschen, selbst so kurz vor Ladenschluss. Einige blickten mich etwas seltsam von oben bis unten an, aber was soll man erwarten, wenn man mit breitem Lächeln durch eine anonyme Menschenmenge geht. Die meisten zeigten sich überaus erfreut, ein breites Lächeln reihte sich an das nächste, von alten Opas bis hin zu jungen Mädels – nach Köln zu ziehen war die beste Entscheidung meines Lebens.

Ich ging kurz in den Videospielladen und kaufte mein völlig überteuertes Spielchen, danach in den Supermarkt, um ein bisschen Alkohol und einige Alibinährstoffe zu besorgen.
Ich bin kein Einkaufswagenbenutzer. Nie gewesen. Ich kaufe nie für mehr als zwei oder drei Tage ein, also kann ich meine Besorgungen in der Regel problemlos so tragen. Auch heute wieder, ich stapelte nach und nach alles auf meine Arme, machte mich auf zur Kasse und legte das Zeug dort mit einer gewissen Erleichterung aufs Band. Nach dem Bezahlen das gleiche Spiel wie immer. Das, was vorher wie eine perfekte Runde Tetris zusammen passte, wollte sich kaum erneut zusammen finden.
Wie dem auch sei, etwas angestrengt latschte ich den – überraschend weiten – Weg zum Auto, vorbei am Kassenautomaten. Nicht etwa, weil ich erst das Gewicht abladen wollte, sondern weil ich natürlich vergessen hatte, das Parkticket mitzunehmen. Also hin zum Auto, die Sachen abgeladen, das Parkticket rausgeholt, beim Automaten den 1,40 Euro-Betrag mit einem 20-Euro-Schein bezahlt (wieso hätte der Automat auch meinen Fünfer nehmen sollen?) und mit einem Halbjahresvorrat an Ein-Euro-Münzen wieder zum Auto. Das Parkticket fiel erstmal zwischen die Sitze, wo ich es vermutlich innerhalb von zwei Sekunden gefunden hätte, hätte ich mein Auto auch nur ein einziges Mal aufgeräumt, seit ich es besitze. Nach etwa fünf Minuten zog ich es also aus einer Nische und warf es aufs Armaturenbrett – wo es prompt einen Abgang in eine Ritze unter der Frontscheibe machte, von deren Existenz ich bislang noch nichts wusste.
Mittels einiger Hilfsmittel, die nur im Auto lagen weil ich mein Auto nie auf- geschweige denn leerräume (so schließt sich der Kreis), bekam ich es wieder hervorgeholt und konnte los fahren.

Nach einer überraschend ereignislosen Heimfahrt stellte ich mein Auto auf dem Parkplatz ab – die Parkhauskarte streikt zur Zeit – und latschte zum Aufzug. Der Portier begrüßte mich höflich lächelnd. Dass er mir dabei nicht in die Augen sah, nahm ich als gegeben hin, dass er meinen Schritt begutachtete, nun ja, besser als wenn er mich nicht leiden kann, gelle.

Oben angekommen lud ich die Fressalien in den Kühlschrank, packte das Spiel aus und warf die Anlage an.
Doch irgendwie war mir gar nicht mehr nach spielen zumute. Ich machte den Fernseher aus und beschloss – in der Stadt zu wohnen fördert eine selbst für mich ungeahnte Faulheit – mir beim Chinesen gegenüber etwas zu essen zu holen. Also packte ich wieder Schlüssel und Portemonaie ein und richtete kurz meine etwas verwuselten Haare.

Nach einem Blick in den Spiegel beschloss ich, mir diesmal die Hose zuzumachen.